Montag, 7. Juni 2010

Wie ist man wirklich ein Zeugnis das Evangelium?

In den letzten Tagen habe ich besonders von den jüngeren Delegierten die Kritik gehört, dass Edinburgh 2010 zu akademisch ist. Das ist ja in dem Studienprozess schon angelegt gewesen, der vor allem von Missionstheologen getragen wurde. Interessant war dann zu sehen, dass uns auf der Konferenz ein Essayband mit Beiträgen von jungen Theologen aus aller Welt ausgehändigt wurde. Besonders beeindruckte mit ein Essay von einem jungen Mann aus Myanmar über gewaltfreien Widerstand nach Jesu Vorbild. Die Essays waren sehr breit gefächert, sie hatten aber eines gemeinsam: Man konnte aus ihnen nicht herauslesen, was für ein Leben die Schreiber/innen führen und ob auch sie ein Zeugnis für Christus neben dem Geschriebenen abgeben. Ich glaube, dass ist auch der Grund, warum soviele Sonntagspredigten ohne Effekt bleiben. Die wirkungsvollste Predigt ist immer noch unser Leben. Es geht um mehr, als darum ein guter Mensch zu sein und jeden Tag eine gute Tat zu tun. Unser Leben als Christen muss herausstechen und Leute zum Nachdenken bringen. Während ich diese Zeilen schreibe denke und bete ich darüber nach, wie das bei mir aussehen kann.

Sonntag, 6. Juni 2010

Ein Fest der Vielfalt

Unten in der Assembly Hall findet garade die Abschluss-Feier von "Edinburgh 2010" statt. Eine tolle Veranstaltung!at
Gerade tanzen junge Inderinnen das Evangelium zu indischen Klängen. Gleich zu Beginn hat der erste Auftritt des Scotland African Gospel Choir, aus afrikanischen Gemeinden hier in Edinburgh, die Anwesenden mit Praise & Worship aus den Sitzen gehoben. John Bell von der Iona Community, der die Gottesdienste und Andachten während der ganzen Konferenz wesentlich gestaltet hat, hat eine wunderbare Gabe, einen Saal mit einfachen Anweisungen und Gesten zum Singen wunderschöner Lieder aus aller Welt zu bringen!

Also alles in Allem: Ich glaube, ich kann sagen, "Edinburgh 2010" hat mich überzeugt, dass Mission nichts Böses ist.
Unsere gemeinsame Mission ist ein kunterbundes Fest von Gottes Schöpfung, Freude am gegenseitigen Weitererzählen und Zuhören unserer reichen Erfahrungen, und Lust daran, gemeinsam ein Stück dazu beizutragen, dass Gottes Plan von liebevollem und gerechten Leben dort, wo wir gerade sind, ein Stück mehr Wirklichkeit wird. - Halleluja :o)

Wie klingt das? :o)

Samstag, 5. Juni 2010

Der "Common Call" - die Kirchen rücken näher zusammen

Gerade wurde im Plenum der "Common call" vorgestellt. Wie sieht die gemeinsame Vision von Mission von Evangelikalen, Pfingstlern, Katholiken, Lutheranern usw aus? Kann es so etwas überhaupt geben? Zunächst das Positive: Die Perspektiven scheinen sich tatsächlich anzunähern und die Themen von weltweitem Engagement für gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung werden mehrfach angesprochen und sind, das ist mein Eindruck aus der Konferenz, auch im "rechten" Spektrum der Christenheit immer wichtiger als Bestandteil von Mission. Z.B. der Satz: "Trusting in the Triune God, we are called to incarnate and proclaim the good news of salvation for a fallen world, of life in abundance, and of liberation for all poor and oppressed in such s way that we are a living demonstration of the love, righteousness and justice that God intends for the whole world." Allerdings werden die anderen Religionen weiterhin als passive Empfangende von Mission verstanden. Eine positive Zusammenarbeit mit den anderen Religionen in verschiedenen Bereichen scheint nicht Teil der Mission zu sein, zumindest ist das kein Konsens. Allerdings ist das nur der Entwurf, morgen werden wir die neue Version hören, und der interreligiöse Dialog ist dann hoffentlich auch dabei.

Meine anderen Texte

Ups... jetzt ist die Konferenz ja schon fast zuende. Gerade läuft im großen Saal das Abschluss-Plenum "Auf dem Weg zu einem 'Gemeinsamen Aufruf'. Zeit zur Reflextion also.
Schon beim Mittagsessen haben wir deutschen Delegierten zusammengesetzen, um uns auszutauschen, was wir von dieser Konferenz halten. Und am späten Nachmittag haben wir Lutheraner zusammengesessen, um zu gucken, wie wir mit den Ergebnissen dieser Konferenz weiterarbeiten können...

Aber bevor ich dazu komme, meine Ergebnis-Gedanken zu ordnen, arbeite ich gerade noch unter Hochdruck an ein, zwei anderen Texte.
Deshalb erlaube ich mir hier einen Link, zu den Artikeln - den genauer ausformulierten Gedanken -, die ich über diese Konferenz geschrieben habe:

http://www.edinburgh2010.org/de/news.html

Die „Regenbogenmethode“ und Mission als „Networking“?

Die Konferenz geht schon ihrem Ende zu. So schnell verging die Zeit! Seit der Eröffnungsveranstaltung halten Twitter updates, … die anderen beiden „communications volunteers“ und mich auf Trapp. Jetzt versuche ich mal anstelle von kurzen Informationsfetzen ein paar Gedanken zu formulieren.

"Mission und Einheit: Ekklesiologie und Mission" - so lautet der Titel der Studiengruppe, auf die ich am meisten gespannt war und an der ich am Freitagnachmittag teilnahm. Nicht nur das Thema, sondern auch die verwendete „Regenbogenmethode“ interessierte mich sehr. So begann diese Sitzung nicht mit langen Vorträgen, sondern die Delegierten teilten sich nach eine kurzen Einleitung ins Thema und einer ausführlichen Erklärung der „Regenbogenmethode“ in die jeweils mit verschiedenen Farben versehenen Gruppen Jugend, Pfingstkirchen, Indien, „subaltern voices“, Kontextualisierung und RWB/ LWB auf.

Ich gesellte mich zur roten Regenbogengruppe „Jugend“. Zuerst trug Fr Vineeth Koshy aus Indien seine Gedanken zum Thema „Jugend“ vor. Diese könnte man unter vier Punkten zusammenfassen: 1. Das Wesen Gottes ist Kreativität, daher sollen wir junge Menschen in einer kreativen Weise einbeziehen, 2. Die Wahrnehmung des Kontexts ist wichtig, 4.Gemeinschaft ist bedeutend und ebenso ist es wichtig, Barmherzigkeit zu üben (4.). Allerdings war sein Referat so lang, dass wir fast keine Zeit mehr hatten, diese Punkte und was sie mit „Mission und Einheit“ zu tun haben könnten zu diskutieren. Schade, dachte ich, die tolle Regenbogenmethode funktioniert in solchen Fällen eben auch nicht. Eigentlich hätten wir Fragen beantworten sollten und unsere Gedanken dann nachher den anderen Gruppen mitteilen. Einige ältere Herren äußerten ihren Unmut darüber, dass ihnen keine Zeit gegeben wurde um zu diskutieren. Irgendwie blieben wir dann doch länger in den Kleingruppen und versuchten die Fragen des Studienthemas 8 http://bit.ly/a9qUhL zu beantworten.

Dann wurden die Regenbogengruppen gemischt! Ich blieb bei „Jugend“, zu uns kamen ein paar Delegierte der Regenbogengrupp „Pfingstbewegungen“. Die Diskussion um die sehr guten und zentralen Fragen http://bit.ly/a9qUhL ging weiter. Bei der Diskussion wie wir Mission verstehen wurden immer wieder die beiden Begriffe „Freundschaft“ und „Partnerschaft“ verwendet. In diesem Zusammenhang fand ich Prof. Dana L. Robert (Boston University) Vorschlag sehr interessant. Robert, die bereits am ersten Tag einen super Eröffnungsvortrag gehalten hatte, wandte sich dagegen Mission vorranging als „Partnerschaft“ zu verstehen. Sie schlug vor, Mission von dem Gedanken des „networking“ her zu betrachten. Menschen die „networking“ betreiben, so Robert, verwenden jeweils die Methode, die sie als angemessen betrachten. Interessante Idee, aber ist „networking“ nicht oft exklusiv oder elitär? Hoffentlich habe ich noch die Gelegenheit herausfinden was damit genau gemeint ist …

Anschließend sollten die Regenbogenfarben wieder miteinander verfließen, d.h. die Regenbogengruppen wurden wieder neu gemischt und fanden sich dann unter den oben genannten Themen zusammen. Allerdings sollte es nur noch fünf, nicht mehr sechs Gruppen geben und die Regenbogenfarbe rot verschwand ganz. Es gab also keine Gruppe „Jugend“ mehr! Stand hinter dieser Entscheidung die Hoffnung, dass dadurch das „Jugendthema“ in alle anderen Regenbogengruppen eingebracht wird? Das wäre ja super! Ich habe allerdings den Eindruck, dass dieser Idealfall eher nicht eingetreten ist.

Natürlich ist die Einführung einer anderen Methode kein Allheilmittel, dennoch fand ich es eine gute Idee die „Regenbodenmethode“ auszuprobieren und sie erlaubte auf jeden Fall, dass alle Delegierte die Möglichkeit hatten, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Das war nur ein kleiner Einblick! Von bereichernden Begegnungen, interessanten Gesprächen, … gäbe es natürlich noch viel zu erzählen ….

Freitag, 4. Juni 2010

Einige Impressionen aus Edinburgh




Geschichte kehrt sich um

Habe gerade mit dem Vorsitzenden der Church of Pentecost gesprochen: Apostel Dr. Opoku Onyinah aus Ghana. Seine Kirche gibt es in 81 Ländern weltweit. In Deutschland haben sie mindesten 15 Kirchen. In Hamburg zwei Pastoren. (Zum Glück hatte ich mit einem von ihnen immerhin schon einmal telefoniert. :o)

Seine Kirche schickt Missionare in alle Welt. Und natürlich, so Dr. Onyinah, erreichen diese zuerst und am besten ihre Landsleute in der Diaspra (Diesen Begriff benutzte er!).
Und es sei ja in Europa heute genauso wie in der Zeit der europäischen Missionare in Afrika: Deutsche erreichen andere Deutsche in der Mission ebenso viel besser, wie damals Afrikaner die Afrikaner viel besser erreicht haben. - Also, so deute ich das, die eigentliche Arbeit in der Mission getan haben.
Es komme also auf gute Zusammenarbeit an.

Kommt mir vor, als habe ich gerade mit dem ghanaischen "EKD-Auslandsbischof" gesprochen. Mit dem Unterschied: Würde ein ghanaischer Journalist in Accra mit unserem Auslansbischof sprechen, dann hätte der kein Konzept für Mission in Ghana.

Auf der Weltmissionskonferenz 1910 hier in Edinburgh wäre es genau umgekehrt gewesen: Europäische Vertreter ihrer Kirchen planten die Mission in Afrika.
Aber die einheimlichen Afrikaner waren nicht einmal dabei, um sagen zu können, wie man Afrikaner wirklich mit dem Evangelium erreicht ...